Kalchkendlalm - Zur Philosophie des Ortes

Die Kalchkendl-Alm befindet sich an einem besonderen Ort: am Ende einer Sackgasse. Von hier geht nur mehr der Blick weiter. Und der endet vor den Dreitausendern der Sonnblickgruppe. Diese Gebirgsbarriere war nie Grenze sondern eher Verbindungslinie zwischen Nord und Süd. Und hier im Raurisertal trafen wichtige Tauernwege zusammen, die dem Waren-, Kultur- und Völkeraustausch dienten. Gold, Öl, Wein, Schmuck, Salz und Metalle wurden auf diesen Handelswegen transportiert. Die Kalchkendl-Alm ist eine alte, kulturträchtige Stätte. Hier wurde früher noch Getreide angebaut und Kalk gewonnen. Heute sömmern die Kühe hier oben und wandeln Bergkräuter in Bio-Fleisch und Bio-Milch um. Die ältesten Teile des Gebäudes sind mehr als 400 Jahre alt: Datierungen an alten Balken zeigen die Jahreszahlen 1497 und 1515. Alles ist natürlich geschlagenes Holz nach den Regeln der Jahreszeiten aus dem Wald gebracht und in keiner Weise imprägniert oder anders behandelt. Die Steine der alten Gemäuer stammen direkt von nebenan. Auch das liebevoll von Andreas Huber in die alte Substanz eingebrachte Neue kommt aus dem eigenen Wald der Umgebung, und alles ist von ihm allein handbearbeitet. Dieser Ort und seine Gebäude verlangen daher eine besondere Sorgfalt und Pflege. Alle Aktivitäten erfolgen im Einklang mit der Geschichte des Hauses und seiner unverfälschten Umgebung. Es ist eine Stätte der Ruhe, der Besinnung, der Pflege der bäuerlichen Kultur, der Künste und der Wissenschaft. Unter anderem werden hier gepflegt:

  • Brotbacken nach alten und neuen Rezepten
  • Wiederbelebung anderer, teilweise schon vergessener bäuerlichen Kulturtätigkeiten
  • Dichterlesungen
  • Schreibwerkstätten
  • Malerseminare
  • Kräuterseminare
  • Naturerfahrung
  • Wissenschaftliche Seminare, Kurse, Tagungen, Symposien
  • Treffpunkt internationaler Größen (z. B. der Alternativen Nobelpreisträger)
  • Gespräche, Diskussionen, Fortbildungen, Konzerte, Theater, …

Die Alm ist auch ein Ort zum Feiern würdiger Feste. Sie ist aber vor allem ein Ort umfassender Bildung (die volle Bezeichnung der Bildungsstätte lautet: „Kalchkendl-Alm – die Schule am Berg“). Alle Menschen, die hier oben zu Gast sind, sind sich ihrer Verantwortung gegenüber der Würde dieser Stätte bewusst. Sie gestalten ihren Aufenthalt nach der Philosophie dieses Ortes und erleben die Weihe dieser Jahrhunderte alten Kulturstätte.